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Umwelt


Dalyan mit Schilfgebiet und Strand


Dalyan im Wandel

Strassenbau in Dalyan
 
Dalyan im Wandel

   Als ich Dalyan 1991 kennenlernte, war der Tourismus gerade erst im Entstehen begriffen. In Dalyan waren traditionelle urbanen Strukturen zum Teil noch erhalten. Im Schilfgebiet gab es sehr viele Passagen, in denen das Schilf sich über unseren Köpfen berührte und es gab viele Tiere, besonders Vögel zu beobachten. Man fühlte, dass hier die Natur noch ziemlich intakt war.

   Mit der Ausweitung des Tourismus verlor Dalyan im Laufe der Zeit immer mehr den ursprünglichen Charme, der die Menschen einst anlockte. Es wurden Versuche unternommen den „sanften Tourismus“ einzuführen, aber diese Experimente scheiterten aus verschiedensten Gründen.

Bootsrennen in Dalyan

   Der Tagestourismus zerstörte mit seinen vielen Bootsfahrten (über 1.000 Bootsfahrten von mehr als 490 Booten in beiden Richtungen) die Fluss- und Schilflandschaft stark. Obwohl in dem 1988 deklarierten Sonderschutzgebiet Köyceğiz-Dalyan die Geschwindigkeit der Boote auf 5 kn (ca. 8 km/h) beschränkt ist, wird diese Richtlinie von den meisten Bootsleuten ignoriert. Sie fahren überwiegend mit mehr als 12 km/h durch das Delta, wobei durch die auftretende Wellenbildung die Ränder der Wasserwege immer mehr ausgewaschen wurden, so dass sich die Hauptwasserstraßen stark verbreitert haben und der Schilfbewuchs immer weiter zurück ging. Ein Übriges erreich-
ten dann die willkürlich gelegten Feuer im

Feuer im Schilfgebiet
Die große Menge der Boote und das Ignorieren der Geschwindigkeitsbegrenzung schaden dem
Schilfbewuchs.
Durch die im Frühjahr gezielt gelegten Feuer
im Schilfgebiet wird die Fauna geschädigt.
Schilfgebiet, um besser jagen zu können (freie Sicht) und um nach dem Feuer frisches Grün für das Vieh zu haben. Bei den Bränden werden die Kleinlebewesen, die in der Nahrungskette sehr wichtig sind, und die Nester der brütenden Vögel zerstört. Zudem wird durch die Feuer viel CO² erzeugt.

   Durch die ungebremste Bautätigkeit werden in Dalyan die gewachsenen Strukturen zerstört. Es ist zum Beispiel geplant, den Marktplatz, der normalerweise in vielen natürlich gewachsenen Orten (wie auch in Dalyan) im Zentrum liegt, an den Nordrand des Ortes zu verlegen. Dies wird damit begründet, dass der Ort immer weiter in diese Richtung expandieren würde.

   Die Straßenplanung geht in Richtung Großstadt. Es werden Straßen angelegt, die selbst für einen Ort wie Izmir ausreichen würden. In reinen Wohngebieten, abseits der Hauptverkehrswege sind Straßen geplant oder bereits gebaut, die Breiten von 12,50 m und mehr erreichen. Durch die jahrelange Anschüttung der Straßen mit Sand und Kies und der Sperrung der Wasserkanäle, wurden die Straßen so erhöht, dass die Grundstücke unter das Straßenniveau absanken und bei Regen nicht mehr entwässern konnten. Im Winter 2007/2008 kam es dadurch in den Wohngebieten zu starken Überschwemmungen, bei denen an den alten aus Lehm gebauten Häusern die Wände aufweichten und einstürzten.
Überschwemmung in Dalyan am 15. 11. 2007   Überschwemmung in Dalyan am 15. 11. 2007
Durch die jahrelange Anschüttung der Straßen mit Sand und Kies und der Sperrung der Be- und Entwässerungskanäle
entstandene Überschwemmung.
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Dalyan, 07. August 2008

Der Strassenbau im Sonderschutzgebiet Köyceğiz-Dalyan

   Dalyan war einst ein kleines, verträumtes Fischer- und Bauerndorf. Durch die touristische Entwicklung im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat Dalyan sich zu einem Ort entwickelt, der alles dem Tourismus und Gelderwerb untergeordnet. Am Beispiel der Straßen- und Bauplanung wird deutlich, wie die hiesigen Behörden sich die Zukunft Dalyans vorstellen.

Dalyan 1974 Dalyan 1974, der Hafen mit Mosche

Dalyan im Jahre 1968 vom Burgberg in Kaunos fotographiert.

Dalyan im Jahre 1965, in der Mitte die Moschee mit dem reparierten Minarett.
Das alte wurde bei einem Erdbeben 1960 beschädigt.

   Die Moschee wurde durch An- und Umbauten verunstaltet. Die älteren Dalyaner können sich noch daran erinnern, dass es an der Moschee im Bereich der alten Platane Gräber gab. Eine alte Klosteranlage auf dem Gelände der Krankenstation (Sağlık Ocağı), die 1928 in eine Grundschule umgebaut wurde ist später abgerissen worden. Ebenso erging es einer Synagoge, die auf dem Gelände der Schule in der Maraş Caddesi stand. Noch in den 80er Jahren gab es in Dalyan „historische“ Gebäude und in der Ortsmitte viele Bäume. Dann begann die radikale Erneuerung des Ortes. In der Ortsmitte war ein altes Hamam (türkisches Dampfbad), dies musste einem Wohnhaus mit Geschäftsräumen im Erdgeschoss weichen. In der Hauptstraße (Maraş Caddesi) wurden die meisten alten eingeschossigen Wohn- und Geschäftshäuser abgerissen und durch profitablere Häuser in zweigeschossiger Bauweise, unten Geschäft oben Mietwohnung, ersetzt. Die alten Baumbestände fielen diesen Modernisierungsmaßnahmen zum Opfer.

Auf der Seite „Geschichte-Dalyan“ sind einige Bilder zu diesem Thema zu sehen.

   Im Straßenbau geht diese Entwicklung gnadenlos weiter. Alte Grünbestände werden vernichtet und durch Straßen mit Großstadtniveau ersetzt. Die folgenden Bilder veranschaulichen wie sich die Dalyaner Stadtverwaltung ihren Ort in Zukunft vorstellt. Es hat den Anschein, dass nur der Autofahrer Vorrang hat. Die Straßen werden in reinen Wohngebieten in Breiten von 10 – 14,5 m geplant und teilweise schon gebaut. Weil durch diese großzügige Bauweise die Autofahrer dazu verleitet werden, schneller als erlaubt zu fahren werden an verschiedenen Stellen so genannte Schwellen auf die Straße gebaut.

  • Die Fahrzeuge leiden unter dieser Maßnahme.
  • Die Menschen werden durch die Geräusche, die beim Überfahren der Schwellen entstehen, belästigt. In der Atatürk Caddesi wurden die Schwellen in der Nähe des Hotels des Bürgermeisters wieder abgebaut, weil sich Hotelgäste durch die Lärmbelästigung gestört fühlten. Andere müssen weiterhin leiden.
  • Ökologisch und ökonomisch sind diese Schwellen auch nicht sinnvoll, da jedes Mal auf Schrittgeschwindigkeit abgebremst werden muss und anschließend wieder beschleunigt wird. Dadurch steigt der CO²-Ausstoß und der Kraftstoffverbrauch.  
Es wäre besser, wenn man die Straßen von Anfang so geplant hätte, dass diese Probleme erst gar nicht nicht entstehen würden.

  • Zum Beispiel durch eine Linienführung, die sich den örtlichen Gegebenheiten anpasst und nicht mit dem Lineal rücksichtslos über Grundstücke geht und sich nicht an die geographischen Gegebenheiten hält. So ist z. B. in einer Änderung des Bebauungsplanes eine Straße am Vardiya Dağı geplant, die eine fast senkrechte Felswand herauf gehen soll.
  • Durch eine geeignete Gestaltung der Straße, wie z. B. der Begrenzung der gesamten Straßenbreite, Verbreiterung der Gehwege, dem Anlegen von Radwegen, dem Bauen von "Schikanen" aus Grünflächen oder Baumbepflanzung an den Straßenränder und wechselseitigen Parkbuchten. Alle diese und anderen Maßnahmen würden zu einer sinnvollen Verkehrsberuhigung führen.
  • Zur Zeit werden schmale Gehwege gebaut, die in der Mitte mit Pinien bepflanzt werden. Dadurch können sie nicht als Fußwege benutzt werden. Eine andere Nutzungsvariante ist das verpachten der Gehwege an Geschäftsleute, damit sie dort ihre Waren präsentieren oder ihr Restaurant durch aufstellen von Tischen und Stühle auf den Wegen vergrößern. Der Fußgänger aber ist gezwungen die Straße zu benutzen. In den Hauptstraßen wird dadurch die Unfallgefahr vergrößert.
   Wenn man weiter macht wie geplant, wird dadurch das Mikroklima im Ort stark verändert. Die immer größeren Flächen, die mit Zementsteinen gepflastert werden speichern tagsüber die Sonnenwärme und geben sie abends und nachts wieder ab. Dadurch erhöht sich die Durchnittstemperatur im Ort stark. Es wäre ratsam, die schattenspendenden Grünflächen nicht weiter zu verringern, sondern in der Stadt wieder vermehrt Laubbäumen zu pflanzen.
   Am Beispiel der Gül Sokak soll einmal verdeutlicht werden was diese Vorgehensweise für die Natur und die Anwohner bedeutet. Die Gül Sokak liegt am Fuße des Vardiya Dağı und hat eine Breite von 5m. An ıhren Seıten ist ein Be- und Entwässerungskanal mit altem Baumbestand. Der Erhalt dieses Kanals ist zwingend erforderlich, da durch die jahrelange Anschüttung der Straßen die Grundstücke unter das Straßenniveau abgesunken sind und mittlerweile im Winter bei Regen nicht mehr entwässert werden können. Zwischen der Straße und dem Berg befinden sich private Grundstücke. An und auf dem Berg hat sich im Laufe der Jahre durch den Schutz der Anwohner ein biologische Vielfalt erhalten und auch zum Teil wieder angesiedelt. In der Vergangenheit haben die Einheimischen den Vardiya Dağı als billiges Brennholzllager und preisgünstigen Futterplatz für ihre Ziegen und Kühe benutzt.

Kartenausschnitt Gül sok.

Auszug aus der Bebauungsplanänderung

Als download finden Sie hier das Gutachten über die Biodiversität im Gebiet des Vardiya Hügels im Gemeindegebiet Dalyan,Provinz Muğla

  Der Bebauungsplan sieht nun vor, dass die Gül Sokak auf 14,50m verbreitert wird. Um dieses Ziel zu verwirklichen, müßten die alten Bäume gefällt und der Kanal verrohrt oder zugeschüttet werden. Weil aber diese „Autobahn“ allein in einer ökologisch intakten Umwelt nicht reicht wird zwischen dem Berg den Gründstücken noch eine 7m breite Straße geplant. Durch den Bau dieser Straße und die Zerstörung der Flora in der Gül Sokak wird das ökologische Gleichgewicht der gesamten Gegend stark gestört.

Gül sokkak vor dem Umbau am 23. 07. 2008

Gül Sokak am 23. Juni 2008. Noch harmoniert die Straße mit
der Natur. Die 210. Sokak ist die Weiterführung dieser Straße.
210. sokak nach dem Umbau

210. Sokak nach dem Umbau am 02. August 2008. Nach dem Willen
der Stadtpläneer soll die Gül Sokak nach dem Umbau ähnlich aussehen.

Bei all diesen Betrachtungen muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass Dalyan seit 1988 Sonderschutzgebiet ist.

Die Anwohner versuchen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die bestehenden Pläne vor zugehen.

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