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Köyceğizsee aus dem Flugzeug Die Entstehung des Köyceğizsees Köyceğizsee aus dem Flugzeug
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Dieser und die anderen erdgeschichtlichen Aufsätze sind Auszüge aus einer Reportagen-Serie des Schriftstellers
Kuno Sch. Steuben, der viele Jahre seines Lebens in Dalyan verbrachte und hier am 20. September 2004 gestorben ist.
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   Der Köyceğiz See entstand vor zirka 2000 Jahren, ist heute geographische so wie klimatische Grenze zwischen Ägäis und Mittelmeer an der Küste Kleinasiens – und jetzt durch Umweltbelastung gefährdet.

   Nach heutigem Stand der Wissenschaft begann sich das Mittelmeer vor zirka 20 Millionen Jahren (im Mesozoikum-Erdmittelalter) durch Verschiebung Afrikas und Eurasiens zu formen, als Teile der Himalaya-Region und Hinterindiens noch unter dem damaligen Meeresspiegel lagen.

   Vor zirka fünf Millionenjahren (im Tertiär) hatte das Mittelmeer fast seine heutige Ausdehnung erreicht.

   Gegen Ende der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren lagen die Meeresspiegel 110 Meter tiefer als heute.

   Vor 11.000 Jahren stiegen die Temperaturen innerhalb weniger Jahrzehnte insgesamt um 5° Celsius: Gletscher und “ewiger Schnee” tauten ab, die Regen-Niederschläge verdoppelten und verdreifachten sich. Alle Meeresspiegel stiegen “rasant” und erreichten vor 6000 Jahren (im holozänen Klima-Optimum) fast heutiges Niveau.

   Durch Schmelzwasser und verstärkten Regen wurden von Flüssen enorme Mengen Geröll, Kies, Sand und Erde aus den Bergen in die Täler gespült – auch an der Mittelmeerküste Kleinasiens.

 Vor 2500 Jahren war der heutige Köyceğizsee eine Meeresbucht mit den befestigten Häfenstädten Kaunos und Pasanda und einem einmündenden Fluß, der damals Indus hieß.


Entstehung der Köyceğiz Dalyan Ebene
Als der persische Heerführer Harpagos um 540 v. Chr. Kaunos eroberte, konnten selbst. die größten Schiffe seiner Flotte problemlos bis zum Ende der Bucht segeln.

   478 v. Chr. gründete Athen den “Delischen Bund”, dem auch die meisten Hafenstädte der Küste Kleinasiens beitreten wollten oder mußten. Kaunos und Pasanda zahlten anfangs jeweils ein halbes Talent, ab 425 v. Chr. je zehn Talente Jahrestribut. Mehr als die großen Handelshäfen MILET und KNID0S zusammen. Der plötzliche Reichtum von Kaunos und Pasanda kam, als das Mündungsdelta des Indus -Flusses die Bucht soweit einengte, daß mit stationären Reusen die vom Meer in die Bucht ziehenden Fischschwärme gefangen und als gesalzener, getrockneter Stockfisch, exportiert werden konnten.

Meeräschen hießen hier damals Cephalos und jetzt in türkisch "Kefal", die Labrax-Wolfsbarsche jetzt "Levrek".

Stockfisch war in der Antike im Mittelmeerraum Grundnahrungsmittel, Fischrogen teure Delikatesse.

   Ab 129 v. Chr. war Kaunos Grenzbastion der römischen "Provinz Asia" und wurde großzügig ausgebaut. Strabo (64 v. Chr. bis 2O n. Chr.) erwähnte in seiner generellen Beschreibung von Kaunos nicht mehr den Indus-Fluß, sondern lediglich den `in der Nähe des Hafens mündenden Kalbis-Fluß mit schiffbarem Kanal´, der die Verbindung zum damals bereits abgetrennten Teil der Kaunos-Bucht (heute Köyceğizsee) war und noch immer ist.

Köyceğiz Dalyan Ebene heutiger Küstenverlauf

   Die 1990 begonnene "Erforschung der paläologischen Entwicklung des Dalyan-Deltas" (H. Riedel, Geogr. Institut, Univ. Marburg) wollte die Verlandungsphasen der Häfen von Kaunos und den Indus-Flußbettwechsel mittels Sedimentbohrungen und 14C-Datierungen von Pflanzenresten und Keramik-Scherben zeitlich einordnen. Die zahlreichen Geröll-, Kies-, Sand- und Schlammschichten, tektonische Absenkungen im Dalyan-Schwemmlanddelta sowie der seit 2000 Jahren, um zirka einen Meter gestiegene Mittelmeerspiegel machen diese Aufgabe außerordentlich schwierig. Auch die endgültigen Resultate anderer Untersuchungen stehen noch aus. Zwischenbilanz: Wahrscheinlich wurde die Einfahrt zur befestigten Hafenstadt Pasanda um 400 v.Chr vom Indus-Flußdelta zugeschwemmt. Der horrende Jahrestribut vom zehn Talenten, den Pasanda ab 425 v.Chr. an den “Delischen Bund” zahlen mußte, wurde innerhalb der folgenden 32 Jahre langsam auf den nominellen Betrag von einem Demos ermäßigt. Trotzdem sank Pasanda bald in einen Dornröschenschlaf – und wartet noch immer auf einen Archäologen-Prinzen.

   Um die Zeitenwende hatte das Indus-Flußdelta auch die Kaunos-Halbinsel erreicht, die nördliche (nur noch über den Kalbis-Fluß erreichbare) Hafenbucht bereits fast ganz verlandet. Erosion durch rigoroses Abholzen umliegender Wälder beschleunigte den Verlandungsprozeß. Eine am “Brunnenhaus des Vespasian” eingemeißelte Inschrift aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. nennt detailliert Subventionen aus einer Stiftung reicher Bürger von Kaunos, um Handel und Gewerbe weiterhin zur
    Benutzung des Hafens zu animieren. In der byzantinischen Epoche (ab 4OO n. Chr.) war Kaunos zwar noch Verwaltungszentrum der Region, aber nur noch ein unbedeutender Hafen – im 16.Jahrhundert (der Blütezeit des Osmanischen Reiches) ein Fischerdorf mit kleiner Garnison – und ab 173O eine fast verlassene Ruinenstadt.

   Vermutlich mündete der durch Geröll aufgestaute Indus-Fluß nach der Zeitenwende nur bei Hochwasser in die Kaunos-Bucht und wechselte im 1. oder 2.Jahrhundert n. Chr. seinen Lauf endgültig in die östliche Nachbarbucht Dalaman.

   Um die Zeitenwende hatten die Römer im Kaunos-Golf mit dem Bau eines Luxusbades begonnen. Die 300 Meter lange Kai-Anlage mit Freitreppen, Terrassen, Podesten und Gebäudefundamenten wurde wahrscheinlich wegen des steigenden Wasserspiegels nicht vollendet. Das Jahr des damaligen Baustopps könnte das Geburtsjahr des Köyceğiz-Sees sein.

Die Kai-Anlage liegt jetzt bis zu 270 Zentimeter unter dem Seespiegel bei den Thermalquellen von Sultaniye.

   Der Köyceğizsee hat derzeit im Sommer eine Ausdehnung von zirka 54 Quadratkilometern, im Winter (bei Hochwasser, das die umliegenden Röhricht-Gebiete überflutet) bis zu 58 Quadratkilometern. Von den beiden einmündenden Flüssen Namnam und Yurvalak sowie von Bächen und Gräben erhält der See im Sommer nur geringen Zufluß, wird aber ganzjährig von Thermalquellen gespeist. Selbst in den trockensten Sommermonaten liegt der Seespiegel mindestens 25 Zentimeter höher als der Meeresspiegel. Bei Springtiden sowie bei auflandigem Sturm dringt Meerwasser den Kalbis flußaufwärts bis in den See.

   Wegen des unterschiedlichen spezifischen Gewichts von Süß- und Salzwasser ist lediglich die oberste Schicht des Sees (fast reines) Süßwasser.

   Da der Kalbis-Flußauslauf dreieinhalb Meter, der größte Teil des Sees aber vier bis 30 Meter tief ist, bestehen alle tieferen Schichten des Sees aus einem Meer- und Thermalwasser-Gemisch. Seit 1990 stellten mehrere wissenschaftliche Untersuchungen ab einer Tiefe von vier Metern unter der See-0berfläche steigende Konzentrationen von Meersalz, Phosphat (P04), Ammonium (NH4), Stickstoffdioxid (N02), Stickstofftrioxid (N03) und Schwefelwasserstoff (H2S) fest. Ab zwölf Meter Tiefe beginnt diese Mischung mit abnehmendem Sauerstoff- Gehalt lebensfeindlich zu werden. Unterhalb 30 Meter Tiefe können im KÖYCEGIZ-See wahrscheinlich nur noch spezialisierte Bakterien existieren.

   Die durchschnittlichen See-Oberflächentemperaturen variieren je nach Jahreszeit: Von Ende Dezember bis Mitte März ca. 12°, im Mai 19°, im Juli/August 26°, im September 24° und im November 18 bis 16°. Unterhalb 15 Meter Tiefe schwanken die Wassertemperaturen nur zwischen 19 und 16° Celsius.

   Durch Echolot-Vermessungen wurde ein von SULTANIYE nach Norden verlaufender, durchschnittlich 35 bis 40 Meter tiefer tektonischer Graben im KÖYCEGIZ-See entdeckt – mit mehreren 47 bis 70 Meter tiefen Spalten.

   Aus diesen und anderen Spalten im Seegrund sowie aus Spalten im Uferbereich des Sees und des Schwemmlandes sprudeln Thermal- und Grundwasserquellen. Bei den bisher untersuchten Thermalquellen wurden ein Quell-Ausstoß zwischen 3 und 27 Liter Wasser pro Sekunde, Temperaturen zwischen 23° und 41° Celsius sowie 11.452 bis 31.087 Milligramm gelöste Mineralien pro Liter gemessen.

Die Radioaktivität der Thermalquellen gilt als “nicht gesundheitsgefährdend”.

   Der seit 2000 Jahren dokumentierte Fischreichtum des Köyceğizsees basierte bis 1996 auf die vier Meeräschen-Arten (Mugil cephalus, Liza aurata, Liza ramada und Liza saliens), die jährlich schwarmweise vom Meer zum See und zurück zum Meer zogen. Diese Fische entwickelten sich an der See-Oberfläche bis zur Laichreife.

   “Dalyan” ist das türkische Wort für “Fischfalle”, und “DALKO” ist die Abkürzung für "Dalyan-Kooperation". DALKOs Konzept blieb seit Jahren unverändert: Möglichst viele Fische fangen!

   Weil auch “möglichst viele” der zum Meer zurückwandernden, laichtragenden Meeräschen gefangen wurden (um den in der Türkei als Aphrodisiatikum geltenden Rogen zu vermarkten), hatte sich der Meeräschen-Bestand 1996 soweit verringert, daß die Fischerei unrentabel zu werden drohte. DALKO hofft, Ende Oktober 1997 “möglichst viele” Meeräschen vom Köyceğiz-See zu fangen, um den Fischern die letzten Monatslöhne nachzahlen zu können.

Kommentar zur prekären DALKO-Situation, im Oktober 1997 –..........

   Der Köyceğizsee mit seinem Dalyan-Delta und Barrieren-Strand, mit bewaldeten Bergen und seltener Fauna & Flora, ist ein am Mittelmeer einmaliges Ökosystem.

   1990 wurde dieses Gebiet (insgesamt 385 km²) von der Türkei offiziell zum “Sonderschutzgebiet” erklärt. Die ratifizierten Schutzmaßnahmen konnten aber bisher (Stand: Oktober 1997) noch nicht verwirklicht werden.

   Trotz entsprechender Verbote und Verfügungen wurden weder Jagd- noch Fischereifrevel, weder Abbrennen von Schilfbiotopen, Trockenlegung von Feuchtgebieten, Abholzen seltener Baumbestände noch Benutzung übermotorisierter Boote gestoppt. Die meisten der hier aufgeführten Tatbestände sind bis heute, 2008 noch nicht abgestellt worden.

   Für den Köyceğizsee besonders katastrophal wirkten sich die seit 199O in den angrenzenden, Feuchtgebieten angelegten Entwässerungsgräben aus, die neues Land für Zitrusplantagen und Baumwollfelder erschließen sollten. Früher hatten die Feuchtgebiete den Regen der Wintermonate gespeichert, im Frühjahr Karpfen und Welsen Laichmöglichkeit geboten und den See während der trockenen Sommermonate langsam mit sauerstoff- und nährstoffreichem Wasser gespeist. Über die neuen und vertieften alten Gräben fließt jetzt das mit Dünger umliegender Felder und Plantagen angereicherte Regenwasser innerhalb von, Stunden in den See und verursacht dort übermäßiges Wachstum von Wasserpflanzen, d. h., “Algenpest”. Mehrmals vernichteten in den letzten jahrhunderten durch Erdbeben ausgelöste Schwefelwasserstoff-Eruptionen im südlichen Köyceğizsee einen Teil des Fischbestandes ... zuletzt im Herbst 1937.

   Ursache für den seit 1996 alarmierend abnehmenden Meeräschen-Bestand ist aber Überfischung und Überdüngung. Die Überdüngung (Eutrophierung) des Sees erfolgte nicht nur durch eingeschwemmten Stickstoff -Dünger, sondern auch durch Einleitung ungeklärter Abwässer von Köyceğiz und Dalyan. In der Zwischenzeit sind mit deutscher Hilfe in Dalyan und Köyceğiz Kläranlagen gebaut worden.

   Nach starken Regenfällen im Winter kann der im Sommer harmlos aussehende Namnam-Fluß innerhalb von ein bis zwei Stunden zweieinhalb Meter Hochwasser haben, der Köyceğizsee innerhalb von ein bis zwei Tagen um einen Meter steigen. Die Gedova-Halbinsel wird dann zur Insel.

   Ganzjährig können sich auf dem bei leichten Brisen “so-o-o idyllischen” Köyceğizsee bei plötzlich aufkommendem Nordsturm (= “Poyraz”) die Wellen innerhalb weniger Minuten zu steilen Brechern aufbauen. Kleine Boote müssen dann in den Schutz des nordwestlichen Lee-Ufers flüchten. Aber: Ein “Poyraz”-Sturm kann mehrere Tage andauern!!
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