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Mittelmeer von Google Wie das Mittelmeer entstand

Ökologie des Mittelmeeres
Mittelmeer von Google
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Dieser und die anderen erdgeschichtlichen Aufsätze sind Auszüge aus einer Reportagen-Serie des Schriftstellers
Kuno Sch. Steuben, der viele Jahre seines Lebens in Dalyan verbrachte und hier am 20. September 2004 gestorben ist.
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Entstehung und jetzige Gefährdung des Mittelmeeres.

   Das Mittelmeer, so wie wir es heute kennen, ist höchstens fünf Millionen Jahre alt. Seine Entstehung begann vor
zirka 20 Millionen Jahren, als die driftenden Kontinente Afrika und Eurasien bei Gibraltar aufeinander stießen. Während der folgenden 13 Millionen Jahre verschob sich der Afrika-Kontinent entgegen dem Uhrzeigersinn weiter.

   Das Mittelmeer wurde auch im Osten von dem Urzeit-Weltmeer “Tethys” abgeriegelt. Das heutige Arabien löste sich von Afrika und das Rote Meer entstand.

   Durch den Druck der zusammenstoßenden Kontinente hatten sich die, das Mittelmeer umgebenden Bergmassive gebildet. Alpen, Atlas, Sierra Nevada, Dinarische Alpen, das Rhodope-Gebirge sowie der Taurus.

   Weil einmündende Flüsse das verdunstende Wasser nicht ersetzen konnten, begann das damalige Binnen-Mittelmeer bis auf vereinzelte Salzseen auszutrocknen. Vor acht bis fünf Millionen Jahren ähnelte das Mittelmeer wahrscheinlich dem jetzigen Toten Meer, das im Jordan-Graben 396 Meter unter dem heutigen Welt-Meeresspiegel liegt und acht- bis neunmal salziger als die Ozeane ist.

   Vor zirka fünf Millionen Jahren zerbarst der schmale Gibralta-Gebirgsriegel zwischen Spanien und Marokko bei einem Erdbeben, so dass der Atlantik das Mittelmeer-Becken auffüllen konnte.

   Bereits eine Million Jahre ist ein abstrakter, unermesslicher Zeitraum. Seit der “Geburt” der Erde bis zur Gegenwart vergingen aber mindestens viereinhalb Milliarden Jahre. Durch Zeitraffer-Schrumpfung dieses Zeitraumes auf 24 Stunden wird zumindest der zeitliche Ablauf der Evolution etwas begreiflicher. In der folgenden Zusammenfassung der Evolution beginnt die “Geburt” der Erde um Mitternacht. Nach allen Jahreszahlen steht deshalb die entsprechende Uhrzeit zwischen Mitternacht 00:00 Uhr bis Mitternacht 24:00 Uhr in Klammern.

   Vor dreieinhalb Milliarden Jahren (5:20 Uhr), als sich die Erdkruste der damaligen Kontinente abgekühlt und sich in den flachen Meeren die erforderlichen Molekül-Grundbausteine entwickelt hatten, entstanden erste Lebensformen: Zuerst zellähnliche Archae-Bakterien, Eukaryonten und Methanococci, die während der noch sauerstofflosen Urzeit die Energie aus Wasserstoff und Kohlendioxid bezogen. Danach entwickelten sich Einzeller, Cyano-Blaualgen und Stromatolithen. Vor 720 Millionen Jahren (20:10 Uhr) gab es die ersten Mehrzeller, seit 600 Millionen Jahren (20:48 Uhr) die ersten Quallen und Weichtiere, schon bald primitive Muscheln, Schnecken und Ringelwürmer. Vor 475 Millionen Jahren (21:30 Uhr) begannen vereinzelte Meerespflanzen, danach auch die ersten Meerestiere, die sich später zu Skorpionen, Spinnen und Tausendfüßlern entwickelten, die damaligen Kontinente zu erobern. Gleichzeitig entwickelten sich in den damaligen Meeren die ersten Ur-Fische mit Knochen-Skelett. Ammoniten (Kopffüßler mit spiraligem Kalkgehäuse) verbreiteten sich weltweit massenhaft. Meeres-Skorpione erreichten Längen von bis zu drei Metern. Vor 400 Millionen Jahren (21:50 Uhr) hatten sich bereits viele Fischarten für das Leben in den offenen Meeren, in flachen Küstengewässern sowie im Brack- und Süßwasser spezialisiert. Vor 385 Millionen Jahren (21:57 Uhr) entwickelten sich Bärlappe und Schachtelhalme zu Bäumen, die zusammen mit riesigen Ur-Farnen bald das gesamte Festland überwucherten. Vor 375 Millionen Jahren (22:00 Uhr) begann die Blütezeit der Amphibien - Lurche, Salamander und Molche. Inzwischen entwickelten Libellen, Skorpione und Tausendfüßler Riesenformen. Vor 250 Millionen Jahren (22:40 Uhr) hatte sich unser Planet drastisch verändert: Alle Kontinente waren zu einer einzigen Landfläche zusammengedriftet, die heute “Pangäa” genannt wird. Das Klima hatte sich radikal verändert: Die Sumpfwälder trockneten aus und verwandelten sich in Wüsten. Mindestens 90% aller damaligen Tierarten starben aus. Es war sicherlich die größte Natur-Katastrophe, die unsere Erde jemals verkraften musste. Anstelle der früheren Amphibien dominierten ab jetzt die Eier legenden Reptilien, zu denen auch die Saurier gehörten.

   Seit 225 Millionen Jahren (22:48 Uhr) als sich der “Pangäa-Kontinent” zu spalten begann, eroberten Saurier in immer neuen Variationen die Welt: Vom hühnergroßen Mini-Saurier bis zum Dinosaurier. Im Wasser lebten Fisch-Saurier (Ichthyosaurus), an Land Pflanzen fressende sowie Fleisch fressende Saurier. Der Brachiosaurus war zwölf Meter hoch und wog 70 Tonnen. Der Ultrasaurus war 30 Meter lang und 100 Tonnen schwer.

Vor 190 Millionen Jahren (22:59 Uhr) hatte sich “Pangäa” geteilt und

Erde vor 70 Millionen Jahren

vor 130 Millionen Jahren (23:18 Uhr) zerstückelt

Erde vor 130 Millionen Jahren

   Inzwischen hatten die Saurier auch die Luft erobert. Der Archaeopteryx (Ur-Vogel) gilt heute als das Bindeglied zwischen Reptilien und den sich später entwickelnden Vögeln. Vor 70 Millionen Jahren (23:37 Uhr) hatten sich die auseinander treibenden Kontinente weiter geteilt.

Erde vor 70 Millionen Jahren

   Neben den Sauriern gab es damals bereits ein behaartes Tier, das die Größe eines Hundes hatte. Dieses Tier, das heute als Cynognathus bezeichnet wird, gilt als Bindeglied zwischen Reptilien und den sich später entwickelnden Säugetieren.

   Vor 65 Millionen Jahren (23:39 Uhr 12 Sek.) schlug ein Meteorit Von zirka zehn Kilometern Durchmesser in das damals noch flache Meer zwischen Nord- und Südamerika ein. Asche und Staub wirbelten in die Atmosphäre und verdunkelten den Himmel. Durch die Erschütterung der Erdkruste brachen in den nahe gelegenen Kontinenten Vulkane aus, die orkanartige Stürme und Flächenbrände auslösten. Aufgrund der verringerten Sonneneinstrahlung sank die Durchschnitts-Temperatur weltweit. Die meisten Pflanzenarten verkümmerten oder starben aus. Es folgte eine weltweite Hungersnot, zuerst bei den Pflanzenfressern, dann bei den Fleischfressern. Die Hälfte aller damaligen Tierarten starb aus, darunter alle Saurier. Nur wenige Echsen (Krokodile, Schildkröten und Brückenechsen) überlebten.

   Lediglich eine Tiergruppe scheint das Massensterben unbeschadet Überstanden zu haben: Die ersten Säugetiere. Vor 60 Millionen Jahren (23:41 Uhr 29 Sek.) gab es den ersten “Primaten” Vorfahr aller Affen, Menschenaffen, Affenmenschen, Ur-Menschen und der heutigen Menschen. Dieser “Primat” ähnelte einem Spitzhörnchen und wird jetzt Plesiadapis genannt. Vor fünf Millionen Jahren (23:57 Uhr 9 Sek.), als der Atlantik das Mittelmeer-Becken füllte, begann der Australopithecus (“Südaffe”) in Afrikas Savannen mit ersten Gehversuchen auf seinen Hinterbeinen.

Erde heute
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Ökologie des Mittelmeeres

   Das Mittelmeer, das seit fünf Millionen Jahren die Kontinente Europa, Asien und Afrika trennt, umfaßt eine Fläche von zirka drei Millionen Quadratkilometern mit vier Millionen Kubikkilometern Wasser.

   Jährlich verdunstet im Mittelmeer mindestens doppelt soviel Wasser, als alle einmündenden Flüsse insgesamt einspeisen. Das Manko (im Sommer durchschnittlich 40.000 Kubikmeter pro Sekunde) wird vom Atlantik durch die knapp 15 Kilometer breite und 290 bis 320 Meter tiefe “Straße von Gibraltar” aufgefüllt. Je nach Jahreszeit strömt ständig Oberflächenwasser des Atlantiks mit drei bis sechseinhalb Stundenkilometern Geschwindigkeit über die “Gibraltar-Schwelle” ins Mittelmeer!

Angaben der Meerestiefe

   Geographisch wird das Mittelmeer zwischen Sizilien und Tunesien durch einen 200 m unter Wasser liegenden Gebirgsrücken geteilt. Das westliche Mittelmeer ist größtenteils über 2000 Meter, im Tyrrenischen Becken (zwischen Sardinien und Italien) bis Über 4000 tief.

   Das östliche Mittelmeer ist an mehreren Stellen über 3000 Meter, nordwestlich von Kreta bis 5121 Meter tief. Die nördliche Adria ist meistens flacher als 200 Meter, die Ägäis lediglich vereinzelt tiefer als 1000 Meter.

   Im Mittelmeer gibt es (außer in der Meerenge von Euböa, Griechenland) nur geringe Unterschiede zwischen Ebbe und Flut, außer bei Gibraltar und Messina, in den Dardanellen und im Bosporus nur relativ schwache Oberflächen- und Tiefenströmungen.

   Durch Verdunstung steigt (trotz einmündender Flüsse und Regenfälle) der Salzgehalt des Mittelmeeres von 3,1 im Westen auf 3,6 Prozent im Osten.

Küsten, Klima, Besiedlung
   Die meisten Mittelmeerküsten sind von Gebirgen begrenzt. Flache Küstenstreifen sind selten breiter als 20 bis 30 Kilometer, oft viel schmaler. Lediglich in Ägypten und Libyen gibt es weite Küstenebenen.

   Unter günstigen Klimabedingungen (lange Sommer, milde und feuchte Winter) konnten die ersten “vernunftbegabten Menschen” als nomadisierende Jäger und Sammler schon früh die gesamte Mittelmeer-Region erobern. Bei Nizza wurde ein 400.000 Jahre alter Lagerplatz einer
Gruppe Homo sapiens steinheimensis entdeckt. Die Benutzer hinterließen Unterstände aus Steinen und Zweigen, Feuerstellen und Muschelhaufen. Während der letzten Eiszeit (vor zirka 110.000 bis 12.000 Jahren mit 5° Celsius niedrigeren Durchschnittstemperaturen als heute) wurde Homo sapiens steinheimensis von Homo sapiens neanderthalensis, und der von Homo sapiens sapiens ausgerottet.

Entwicklung der Menschen
             Homo erectus                       Homo sapiens steinheimensis        Homo sapiens neanderthalensis           Homo sapiens sapiens
        aufgerichter Mensch                            Steinheim Mensch                           Neandertaler                           Neuzeitmensch

   Die vor 50.000 Jahren schrittweise begonnene Umstellung der nomadisierenden Jäger und Sammler auf Ackerbau und Viehzucht wurde durch die nach dem Ende der Eiszeit (vor 12.000 Jahren) einsetzende Bevölkerungsexplosion forciert. Vom “Jagen und Sammeln” konnten bald nur noch kleine Sippen in abgelegenen Regionen überleben. Die wachsenden Bevölkerungen sammelten sich in Weilern, Dörfern und Städten. Ackerbau und Viehzucht wurden lebensnotwendig.

   Gleichzeitig, vor 12.000 Jahren begann die Abholzung der fünf Millionen alten Wälder rings um das Mittelmeer. Überlieferte Berichte aus der Antike beklagten bereits kahl geschlagene Küstenstriche und Inseln. Holz wurde nicht nur zum Haus- und Schiffsbau, sondern auch zum Kochen, Heizen und Erzschmelzen verwendet. Nachschub mußte über immer weitere Entfernungen transportiert werden. Holzexport von Häfen an Flüssen auf denen Baumstämme bis zu den wartenden Schiffen geflößt werden konnten, brachte den größten Profit. Der angerichtete Schaden machte sich erst später bemerkbar. Von den kahl geschlagenen Bergen wurde die brachliegende Erde vom Regen in die Flüsse und ins Meer gespült. Um Ackerland in abgelegenen Niederungen zu gewinnen, wurden die Wälder auch durch Brandrodung zerstört. Die heutigen typischen Mittelmeer-Landschaften mit ihren fast kahlen Hügeln und Bergen wurden von Menschen geschaffen!

Die Meeresfauna
   Das Mittelmeer ist seit seiner Entstehung eines der nährstoff- und fischärmsten Meere der Welt. Das durch die “Straße von Gibraltar” einströmende, planktonreiche Atlantikwasser verteilt sich lediglich im westlichsten Teil des Mittelmeeres. Die wenigen ins Mittelmeer einmündenden Flüsse liefern nur geringe Mengen natürlicher Nährstoffe. Der Nil ist seit 1971 durch den Bau des Assuan-Staudammes als wichtigste Nährstoffquelle versiegt. Der Zustrom von Nährstoffen aus Industrie und Landwirtschaft bewirkt keine Vermehrung der Fischbestände sondern Algenpest. Über 80 Prozent aller Speisefischarten im Mittelmeer lebt in den oberen, wärmeren Wasserschichten. Wissenschaftliche Untersuchungen seit 1970 ergaben, daß die meisten Speisefischarten bis an die Grenze des Vertretbaren dezimiert und teilweise durch Überfischung bedroht sind. Zusätzlich zu allen früheren Fischereimethoden werden seit Anfang der achtziger Jahre (trotz internationaler Verbote) Treibnetze mit mehreren Kilometern Länge und bis 30 Meter Tiefe verwendet. In diesen Todesfallen verfangen sich nicht nur Thun- und Schwertfische, sondern auch geschützte und deshalb nicht verwertbare Delphine, Wale und Schildkröten.

Umweltschutz
   An den Küsten aller 17 Anliegerstaaten werden Abwässer von Städten und Industriezentren meist ungeklärt ins Meer gepumpt.

   Zusätzlich zur ständigen Bevölkerung gibt es in den Sommermonaten jedes Jahr über 100 Millionen Touristen, die Urlaub am Mittelmeer machen. Eine umweltverträgliche Abfallbeseitigung wird immer problematischer.

   Mindestens 20 Prozent der in der Landwirtschaft verwendeten Kunstdünger und Pestiziden gelangt durch Bewässerung, Regen und Grundwasser in Bäche und Flüsse, die ins Meer münden.

   Die Konzentrationen von Schwermetallen (z.B., Blei und Quecksilber) sowie Chemikalien haben sich in den letzten Jahrzehnten in vielen Küstengebieten alarmierend erhöht.

Jährlich gelangen schätzungsweise zwischen 600.000 und 700.000 Tonnen Öl ins Mittelmeer.

   1975-76 wurde ein formelles Abkommen der Vereinten Nationen (UN) über die erforderlichen Umwelt-Schutzmaßnahmen für das Mittelmeer ratifiziert, aber bisher noch nicht verwirklicht.

   Teile des Mittelmeeres sind inzwischen unmittelbar vom Schleichenden Tod bedroht.
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