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Pferd mit Reiter, Museum Bergama (Pergamon) Dieser und die anderen erdgeschichtlichen Aufsätze sind Auszüge aus einer Reportagen-Serie des Schriftstellers Kuno Sch. Steuben, der viele Jahre seines
Lebens in Dalyan verbrachte und hier am 20. September 2004 gestorben ist.
Pferd mit Reiter, Museum Bergama (Pergamon)
Das östliche Mittelmeer, die Wiege der Zivilisation
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   Die Zeitraffer-Kurzfassung über Evolution und Entstehung des Mittelmeeres innerhalb von 24 Stunden endete um 23 Uhr, 56 Minuten und 24 Sekunden oder vor fünf Millionen Jahren. Als sich damals das Mittelmeer auffüllte, begann der Australopithecus (Südaffe) in Afrikas Savannen mit ersten Gehversuchen auf den Hinterbeinen.

   Fossilien von Australopithecinen und deren Nachfahren wurden nicht nur in Afrika, sondern auch in Mesopotamien, Persien, Indien und in der Türkei gefunden.

   Nach heutigem Stand der Wissenschaft verzweigte sich der Stammbaum der Vormenschen vor zirka vier Millionen Jahren, im 24-Stunden-Zeitraffer um 23.58 Uhr und 43 Sekunden.

   Vor zirka zweieinhalb Millionen Jahren (23.59 Uhr und 12 Sekunden) hatte sich der Urmensch Homo habilis (geschickter Mensch), vor zwei Millionen Jahren Homo erectus (aufrechter Mensch) entwickelt. Homo erectus überlebte und lernte, Werkzeuge und Waffen aus Stein und Knochen zu verbessern sowie das Feuer zu beherrschen. Sein Skelett war der aufrechten Gangart angepaßt. Bald hatte er große Teile Afrikas und Eurasiens erobert. Radiometrische Analysen der ältesten im jetzigen China und Kaukasus entdeckten Fossilien, von Homo erectus ergaben ein Alter von 1,66 bzw. 1,78 Millionen Jahren.

   Vor etwa 400.000 Jahren (7,5 Sekunden vor Mitternacht) tauchte "plötzlich" in Vorderasien, dann in Nordafrika und Europa ein neuer Menschentyp auf: Homo sapiens steinheimensis, der erste “vernunftbegabte Mensch”, dem vor 75.000 Jahren Homo sapiens neanderthalensis folgte, und dem vor 45.000 Jahren Homo sapiens sapiens, der "moderne Mensch".

   Über den Eroberungszug des Homo sapiens gibt es viele Theorien. Die este der derzeit bekanntesten Hypothesen besagt: Der Homo erectus wanderte vor zwei Millionen Jahren (23.59 und 21,6 Sekunden) von Ostafrika nach Eurasien und entwickelte sich dort in klimatisch begünstigten Zentren zum Homo sapiens.

Weltkarte über die Ausbreitung der Menschen Theorie zwei

   Nach der zweiten Theorie entwickelte sich Homo sapiens vor 200.000 Jahren in Ostafrika und besiedelte von dort alle Kontinente.

Weltkarte über die AUsbreitung der Menschheit

   Ob die erste oder die zweite oder eine andere Lehrmeinung zutrifft, wird sich nach weiteren Fossilienfunden und Forschungen der Paläontologen erweisen. Kein rational denkender Mensch kann heute noch anzweifeln, daß sich im Lauf der Evolution einfache Zellverbände zu immer komplizierteren Lebewesen weiterentwickelten. Die 1859 von Charles R. Darwin aufgestellten Thesen über “Die Entstehung der Arten durch natürliche Auslese oder Erhaltung begünstigter Rassen im Kampf ums Dasein” wurden während der letzten Jahrzehnte durch Ergebnisse der modernen Genforschung ergänzt. Daß es in der Natur “Baupläne” geben muß, nach denen die Evolution des Lebens gelenkt wird, wurde bereits in der Antike vermutet. Jetzt bestätigten Genforscher diese Vermutung. Im Kern einer jeden Zellkugel liegen paarweise Molekularketten (DNS), in deren Gliedern das biologische Programm gespeichert ist. Im Zellplasma befinden sich außerdem DNS-Fragmente. Diese "abrufbereiten" Gene (Erbfaktoren) können sich in die DNS-Ketten einklinken und vorhandene Programme “je nach Bedarf” erweitern, ändern, reduzieren oder löschen. Nur auf Grund dieser Möglichkeiten lassen sich die teilweise sprunghaften Weiterentwicklungen alles Lebens auf unserer Erde während der letzten dreieinhalb Milliarden Jahre erklären. Das Naturgesetz, nach dem die Evolution verlief und verläuft, ist jedoch weiterhin unbekannt.

   Die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen zu finden. ist weitaus einfacher, als auf Fossilien von Urmenschen zu stoßen. Vorderasien mit den Ländern und Gebieten Anatolien, Armenien, Transkaukasien und Kaukasus, Iran, Afghanistan, Syrien, Libanon, Israel, Jordanien, Sinai, die Arabische Halbinsel und Irak ist, in bezug auf die Entwicklung das Homo sapiens, die interessanteste “Fundgrube”. Anhand datierbarer Fossilien scheint belegt, daß vor 145.000 Jahren Homo erectus und Homo sapiens steinheimensis nebeneinander als konkurrierende Jäger und Sammler in Vorderasien, Nordafrika und im südlichen Eurasien lebten. Genauso wie vor 80.000 Jahren der Homo sapiens steinheimensis und Homo sapiens neanderthalensis.

   Im unwirtlichen Klima der letzten Eiszeit wanderten die Neandertaler Eurasiens in Gruppenverbänden südlich der damaligen Gletschergrenzen und jagten Rentiere, Wildpferde, Auerochsen, Bären, Wollnashörner und Mammuts. Sie lebten nicht nur in Höhlen, sondern benutzten im Sommer Zelte aus Fellen und zum überwintern primitive Hütten mit niedrigen Steinmauern. Als Jäger und Sammler mußten sie Nomaden bleiben. Gruppen, die zu groß wurden, teilten sich oder zogen weiter, sobald ihr Revier sie nicht mehr ernähren konnte.

   Vor 65.000 Jahren hatten die Neandertaler fast ganz Europa erobert und den Homo sapiens steinheimensis verdrängt, das heißt, ausgerottet.

   Vor zirka 45.000 Jahren begann Homo sapiens sapiens von Vorderasien aus Eurasien zu erobern. Der “moderne Mensch” war größer und graziler als der Neandertaler. Im milderen Klima hatte er sich weiter entwickeln und schneller vermehren können. Außerdem hatte er gelernt, Speere nicht nur zu stoßen, sondern auch zu werfen. Und er war ebenfalls Jäger und Sammler.

   Die Neandertaler mit gedrungenen, behaarten Körpern, großen Köpfen mit niedriger Stirn, Augenwülsten, langen Schneidezähne und fliehendem Kinn sowie primitiverer Lebensweise entsprachen wohl kaum dem Schönheitsideal der neuen Einwanderer. Deshalb gab es keine Vermischung der Rassen. Innerhalb von 10.000 Jahren hatte der “moderne Mensch” den größten Teil Europas erobert und den Ureinwohner bis auf wenige, abgelegene Enklaven verdrängt. 1995 wurden in einer Höhle bei Gibraltar Fossilien einer Neandertal-Frau entdeckt, die dort vor 28.000 Jahren starb. Vermutlich wurde die Neandertal-Rasse in Europa vor zirka 25.000 Jahren endgültig ausgerottet. Mehr zum Thema Neandertaler ist bei Wikipedia zu finden.

   Nach bisheriger Lehrmeinung konnte der “moderne Mensch” aus Vorderasien Europa vor 45.000 Jahren nur über die Landbrücke zwischen dem Schwarzen- und dem Kaspischen Meer erreicht haben, weil das Marmara-Meer sowie die Dardanellen- und Bosporus -Meerengen ein unüberwindliches Hindernis auf dem kürzeren Weg durch Kleinasien darstellten. Deshalb werden Europäer und alle Menschen mit weißer Hautfarbe heute international als “Kaukasier” bezeichnet.

   Übersehen wurde bei dieser Argumentation im letzten Jahrhundert, daß die Meerespiegel während der letzten Eiszeit, die vor 110.000 Jahren begann und vor 12.000 Jahren endetet, etwa 110 Meter tiefer als heute lag. Bosporus und Dardanellen konnten trockenen Fußes überquert werden. Vor 11.000 Jahren begannen die Durchschnittstemperaturen weltweit innerhalb weniger Jahrzehnte um insgesamt 5° C anzusteigen. Danach gab es in den Regionen Anatolien, Syrien, Libanon, Israel, Jordanien und Mesopotamien einen “rasanten Entwicklungsschub” der Menschen. Die während der letzten 50.000 Jahre schrittweise begonnene Umstellung der nomadisierenden Jäger und Sammler auf Ackerbau und Viehzucht wurde durch die nun einsetzende Bevölkerungsexplosion forciert. Einstige Weiler aus Lehmhütten wuchsen zu Dörfern, Dörfer zu Städten.

   Eines der frühesten Kulturzentren der Welt entstand am oberen Euphrat-Strom in Anatolien. Die 1989-93 während des Baus des Atatürk-Staudammes ausgegrabene Ruinenstadt mit Tempelkomplex, zahlreichen Skulpturen und Stelen sowie rechtwinkligen Gebäudefundamenten aus behauenen Steinen ist über 9.000 Jahre alt. Damit sind diese Ruinen 5.000 Jahre älter als die Anfänge des Pharaonen-Zeitalters in Ägypten, und sogar 4.000 Jahre älter als der Tempel von Eridu in Mesopotamien, der bislang als der älteste der Welt galt.

   Herkunft und Schicksal der damaligen Bevölkerung dieser namenlosen, jetzt im Stausee versunkenen Ruinenstadt sind unbekannt.

   Vor 6.000 Jahren, im holozänen Klimaoptimum, begann die Eroberung und Besiedelung mehrerer ägäischer Inseln durch Karer und Lykier von der Küste Kleinasiens. Die neolithischen Schichten, die unter den Ruinen von Knossos und anderen Ruinen Kretas aufgedeckt wurden, zeigen abrupte Entwicklungsstufen: In den untersten Schichten nur Spuren von Jägern, Fischern und Sammlern. In den direkt darüberliegenden Schichten wurden Spuren vom Verehrungskult der anatolischen Fruchtbarkeitsgöttin sowie von planmäßig betriebener Landwirtschaft und Viehzucht gefunden. Um 2600 bis 2000 v. Chr. erfolgte eine weitere Einwanderungswelle aus Karien und Lykien. Aus dieses Zeit stammen die bei archäologischen Grabungen entdeckten Keramik-, Kupfer- und Bronzearbeiten sowie die Steingefäße und Sippen-Rundgräber Kretas.

   Von 2000 bis 1700 v. Chr., als die “Alten Paläste” entstanden, beherrschte Kreta bereits fast das gesamte östliche Mittelmeer. Die Epoche der “Neuen Paläste” begann 1700 v.Chr. und endete 1390 v.Chr., als die Vulkaninsel Thera (Santorin) explodierte. Durch die gewaltige Flutwelle wurden die Häfen und Schiffsflotten an der Nordküste Kretas sowie auf den nahegelegenen Inseln der Ägäis zerstört. Danach eroberten und besetzten die Mykener das nun wehrlose Minoische Reich. Karer und Lykier, die die Naturkatastrophe und Massaker der Besatzungstruppen überlebten, kehrten nach Kleinasien zurück.

   Die Sumerer, die seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien lebten, gelten heute als das älteste geschichtlich erfaßbare Kulturvolk. Die von ihnen erfundene Keilschrift wurde später von den Babyloniern, Assyrern und Phöniziern weiterentwickelt und diente dann als Grundlage für die griechische und lateinische Schrift. Die griechische Kultur erreichte in der “Klassischen Epoche” (500 bis ca. 330 v.Chr.) ihren Höhepunkt.

   In 170 Jahren wurden in Athen die Grundlagen für die europäische Zivilisation geschaffen und Begriffe wie Politik und Demokratie, Ökonomie, Theorie, Idee, Methode und System, Dialog, Akademie, Ethik und Theologie, Philosophie, Psychologie und Mathematik, Physik, Biologie usw. erstmals geprägt. Der Naturphilosoph Demokrit von Abdera lehrte, daß Materie aus kleinsten, unsichtbaren Bausteinen bestehe, und er nannte diese Teilchen "Atome". Architekten und Bildhauer schufen Meisterwerke. Doch für “nicht-konforme” Zeitgenossen konnte das Leben an der Wiege der Zivilisation”, problematisch sein. Als, zum Beispiel, der Naturphilosoph Anaxagoras 460 v.Chr. von Kleinasien nach Athen kam und behauptete, die Sonne sei kein Gott sondern eine glühende Masse, wurde er wegen Gottlosigkeit angeklagt und ausgewiesen. Auch die drei bedeutendsten Philosophen Athens Sokrates, Platon und Aristoteles hatten nicht immer ein unbeschwertes Leben. Sokrates empfahl "sittlichen Lebenswandel" und hielt alle Menschen einschließlich der Sklaven, für gleichwertig. Deshalb wurde er als Jugendverführer und Leugner der Götter zum Tod verurteilt. Seiner Hinrichtung entging er, weil er sich im Beisein von Freunden vergiftete. Aristoteles sattelte um und wurde Biologe.

   Alexander der Große, König von Makedonien, überrannte 334 v. Chr. mit seinen griechischen Heeren Kleinasien, besiegte 333 v.Chr. bei Issos die Perser, eroberte in den folgenden fünf Jahren Ägypten, Mesopotamien sowie die östlichen Teile des Perserreiches und drang 327 v. Chr. in Indien ein. Alexander der Große starb 325 v.Chr., und seine Heere traten den Rückzug an.

 Reich Alexander des Großen

   Danach dominierte die griechische Kultur in drei hellenistischen Reichen. Makedonien, Syrien und Ägypten.

   Ab 63 v.Chr. übernahm Rom die politische und militärische Vormachtsstellung in allen Ländern rings um das Mittelmeer.

   Als Jesus Christus vor 2000 Jahren in Bethlehem geboren wurde, war es in der 24-Stunden-Zeitrafferberechnung 0,0384 Sekunden vor Mitternacht.

Karte des Römischen Reiches

   Konstantin der Große, erster christlicher römischer Kaiser, verlegte 330 n. Chr. seine Residenz von Rom nach Byzanz (Konstantinopel). 65 Jahre später teilte Kaiser Theodosius das Römische Reich unter seinen beiden Söhnen auf: Honorius erhielt das Westreich, das im Jahre 476 zerfiel, nachdem der germanische Heerführer Odoaker den letzten Kaiser Romulus Augustulus absetzte und sich selbst “König von Italien” nannte. Arkadius erhielt das Ostreich (Klein und Vorderasien, Nordafrika, Balkan und Kreta), das nach allmählichen Gebietsverlusten endete, als die Osmanen 1453 Konstantinopel (Istanbul) eroberten.

   Das Osmanische Reich breitete sich nach der Besetzung des Byzantinischen Reiches schnell aus. Seine Flotten besiegten die venezianische Seemacht im Jahr 1500, seine Heere stießen gegen Ägypten vor, eroberten 1521 Serbien, 1529 Teile Ungarns und belagerten 1529 sowie 1683 Wien.

Karte Osamnisches Reich

   Nach verlustreichen Kriegen im 19. Jahrhundert und von 1911 bis 1918 war der letzte osmanische Kalif 1920 gezwungen, den von den Siegermächten diktierten Kapitulationsvertrag anzuerkennen. Nach einem nationalen Volksaufstand gründete Mustafa Kemal Pascha Atatürk 1923 die jetzige Türkische Republik.
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