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Geschichte und wirtschaftliche Entwicklung von Kaunos


Das Gebiet um den Köyceğizsee ist vermutlich schon 5000-4000 Jahren v. Chr. besiedelt worden.

Über die Gründung der Stadt Kaunos gibt es folgende Sage.
Ovid schreibt in seinen Metamorphosen, dass sich Byblis, die Tochter des Miletos in ihren Bruder Caunos verliebte. Er erwiderte aber ihre inzestuöse Liebe nicht und flüchtete aus Milet. In Karien ließ er sich nieder und gründete dort eine Stadt, die nach ihm benannt wurde. Byblis liebt ihn aber weiterhin und versucht Caunos von ihrer Liebe zu überzeugen. Da sie die Liebe des Bruders nicht erringen konnte brach sie zusammen und ihre Tränen wurden zu einer nicht versiegenden Quelle an einer Eiche.

Das Epos des Ovid kann hier nachgelesen werden.

Es gibt noch einige Varianten dieser Geschichte. Nach einer Version von Antoninus Liberalis, einem griechischen Schriftsteller um 150 n. Chr. ist Byblis so verzweifelt, dass sich von einem Felsen stürzen will. Sie wird aber von den Nymphen in einen tiefen Schlaf versetzt und von ihnen zu einer Hamadryade (Nymphe der Eichenbäume) verwandelt. Die Quelle an diesem Felsen wird seit dem von den Einheimischen als „Tränen der Byblis“ bezeichnet.

Andere Quellen sagen, dass Byblis von der Flucht des Bruders so erschüttert war, dass sie sich an einer Eiche mit ihrem Haarband erhängte. An dieser Stelle ist aus ihren Tränen eine Quelle entstanden.

Es wir vermutet, das Kaunos um 1000 v. Chr. gegründet wurde.

Bei Ausgrabungen wurden Keramikreste aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. gefunden.

1996 fand man bei den Ausgrabungen zwei Teile einer Stele, auf der sich ein Text in karischer und griechischer Schrift befand (Biliguale). Ein Jahr später wurde ein drittes Fragment gefunden. Der Text auf der Stele ist ein Proxeniedekret* für zwei griechische Bürger.

Durch diese Funde konnte die karische Schrift zum Teil entschlüsselt werden. Sie ähnelt der westgriechischen Schrift und setzt sich aus 45 Zeichen zusammen.

Mitte der 90er Jahre gelang es den beiden Forschern, Ignasi-Xavier Adiego und Dieter Schürr die Lautwerte der karischen Buchstaben genauer zu bestimmen. Die karische Sprache gehört zu den indogermanischen Sprachen. Sie ist heute ausgestorben.

Der griechische Geschichtsschreiber Herodot der in Halicarnasus (heute Bodrum) als Sohn eines karischen Vaters und einer Griechin geboren wurde berichtet über die Kauner, dass sich ihre Bräuche von denen der Karer unterscheiden aber ein karischer Dialekt gesprochen wurde.
Im Laufe der Geschichte gab es in Kaunos viele Herrscher.

Im 6. Jahrhundert v.Chr. unterwarf der Perser Harpagos neben Priene, Smyrna (Izmir), Phokaia und alle auf dem Festland lebenden Ionier. Karien und auch Kaunos ergaben sich fast kampflos und standen bis ins 5. Jahrhundert unter persischer Herrschaft.

Danach besetzten Griechen einen Teil des Landes.

Im Jahe 478 v. Chr. gründete Athen den Attischen Seebund (auch Delisch-Attischer Seebund oder Delischer Bund) dem auch Kaunos beitrat. Der Bund wurde während der Perserkriege von Athen mit den Städten an den kleinasiatischen- und thrakischen Küsten sowie den ägäischen Inseln zum Schutz gegen die Perser gegründet. 404 v. Chr. zerbrach der erste Bund.

Kaunos und Pasanda (auf der gegenüber liegenden Seite der Bucht) zahlten anfangs jeweils ein halbes Talent*, ab 425 v. Chr. je zehn Talente Jahrestribut. Das war mehr als die großen Handelshäfen Milet und Knidos zusammen entrichten mußten.

Die Perser herrschten ab 387 v. Chr. wieder über Karien und auch Kaunos. Der Satrape Mussolos aus Halicarnasus (Bodrum) übernahm nach der persischen Besetzung von 377-353 v. Chr. die Herrschaft über Kaunos. Während seiner Regierungszeit wurde auch die heute noch zum Teil erhaltene Stadtmauer gebaut.

334 wurde das Gebiet von Alexander dem Großen erobert und die Perser vertrieben. Danach herrschte die Prinzessin Ada (gest. 330 v. Chr.) aus dem karischen Herrscherhaus Hekatomnos über Kaunos.

Nach dem Tode Alexanders wechselte in den darauf folgenden Diadochenkriegen die Herrschaft in diesem Gebiet ständig.

190 v. Chr. wurde Kaunos an Rhodos verkauft.

Ab 129 v. Chr. war Kaunos Grenzbastion der römischen "Provinz Asia" und wurde großzügig ausgebaut. Strabo (64 v. Chr. bis 23 n. Chr.) erwähnte in seiner generellen Beschreibung von Kaunos nicht mehr den Indus-Fluß, sondern lediglich den in der Nähe des Hafens mündenden Kalbis-Fluß mit schiffbarem Kanal, der die Verbindung zum damals bereits abgetrennten Teil der Kaunos-Bucht (heute Köyceğizsee) war und noch immer ist.

Siehe auch: „Die Entstehung des Köyceğizsees“

Die wirtschaftliche Grundlage des Reichtums von Kaunos war der Handel mit Holz, Salz, Sklaven, gebranntem Kiefernharz, Harz des Amberbaumes, getrockneten Feigen, gesalzenen, getrockneten Fischen und auch damals schon Fischrogen, welcher als teuere Delikatesse verkauft wurden.

Um die Zeitenwende hatte das Indus-Flußdelta auch die Kaunos-Halbinsel erreicht, die nördliche nur noch über den Kalbis-Fluß erreichbare Hafenbucht war bereits fast ganz verlandet. Erosion durch rigoroses Abholzen umliegender Wälder beschleunigte den Verlandungsprozeß. Eine am “Brunnenhaus des Vespasian” eingemeißelte Inschrift aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. nennt detailliert Subventionen aus einer Stiftung reicher Bürger von Kaunos, um Handel und Gewerbe weiterhin zur Benutzung des Hafens zu animieren.

Durch die Verlandung entstand ein großes Sumpfgebiete in dem sich die Malaria und andere Krankheiten ausbreiteten. Deshalb wurde Kaunos und die Umgebung von den meisten Menschen verlassen.

Eine Neubesiedlung der Gegend um den Köyceğizsee fand erst wieder in byzantinischer Zeit um 400 n. Chr. am Nordende bei Hamitköy und Köyceğiz, sowie im Südwesten statt. Kaunos war in der byzantinischen Epoche zwar noch Verwaltungszentrum der Region, aber nur noch ein unbedeutender Hafen – im 16. Jahrhundert (der Blütezeit des Osmanischen Reiches) ein Fischerdorf mit kleiner Garnison – und ab 173O eine fast verlassene Ruinenstadt.
Karte Carien
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   * In der Mittelmeerwelt der griechischen Stadtstaaten (poleis) kennen wir aus archaischer bis hellenistischer Zeit und teilweise auch noch aus römischer Zeit die Institution der proxenia. Durch sie ernannte eine Stadtgemeinde angesehene Fremde (xenoi) als wichtige Vertreter ihrer politischen, diplomatischen aber auch kulturellen und ökonomischen Interessen. Verbunden war die Ernennung zum proxenos mit verschiedenen Ehrungen und Privilegien und zeigte die spezielle Bevorzugung von für eine Stadt wichtigen Nichtbürgern. Die Bedeutung und Funktion der Institution wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte und verschwand schließlich in der römischen Kaiserzeit. (Prof. Dr. Marek; Uni Zürich)

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   * Das attische Talent entsprach 36 kg Silber.

1 Talent = 60 Minen
1 Mine = 50 Stater
1 Stater = 2 Drachmen
1 Drachme = 6 Obolen

Die kleinste Währung, der Obolus wurde noch einmal bis zu einem Achtelobolus (Chalkus) geteilt .


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