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Publius Ovidius Naso — genannt Ovid
* 20. März 43 v. Chr. in Sulmo
† 17 n. Chr. in Tomis
verfasste unter anderem die "Metamorphose" in 15 Büchern.
Im 9. Buch wird im 7. Epos die unglückliche Geschwisterliebe
der Byblis beschrieben.
7. Byblis

Byblis warnt, dass nicht Unziemliches lieben die Mädchen.

Byblis, erfasst von Begehr nach dem apollinischen Bruder,
Liebte ihn mehr als recht und nicht wie den Bruder die Schwester.
Anfangs merkte sie zwar noch nichts von dem Feuer und glaubte
Sträfliches nicht zu tun, dass öfter sie küsste den Bruder,
Dass sie vertraulich den Hals ihm oft umschlang mit den Annen,
Und ward lange vom Schein ehrbaren Gefühles betrogen.
Aber die Liebe verirrt sich gemach, und den Bruder zu sehen
Kommt sie geschmückt und begehrt zu sehr ihm schön zu erscheinen;
Doch schaut eine sie dort, die schöner, beneidet sie diese.
Noch nicht war sie indes sich klar, und unter dem Brande
Regt sich in ihr kein Wunsch. Nur innerlich siedet und wallt es.
Trautester nennt sie ihn schon, hasst schon den Namen des Blutes,
Hört schon Byblis von ihm sich lieber geheißen als Schwester.
Raum zu geben jedoch im Gemüt unlauterer Hoffnung
Wagt sie im Wachen noch nicht. Umfangen von friedlichem Schlummer
Sieht den Geliebten sie oft. Mit dem Bruder den Leib zu vereinen
Wähnt sie auch und errötet, obgleich im Schlummer sie ruhte.
Weg ist der Schlaf. Lang schweigt sie und führt das Gebilde des Traumes
Wieder sich vor und beginnt dann also mit schwankem Gemüte:
"Weh mir! Ach, was soll das Gesicht des verschwiegenen Dunkels?
Warum sah ich den Traum, der nie sich verwirklichen möge?
Schön ist jener fürwahr auch noch so feindlichen Augen,
Und er gefällt, und wär's mein Bruder nicht, könnt' ich ihn lieben;
Würdig erschiene er mein. So bin ich zum Leide die Schwester.
Wenn nur wachend ich nicht zu solchem Vergehen versucht bin,
Möge der Schlaf noch oft mir kehren mit ähnlichem Bilde.
Fern sind Zeugen dem Traum, nicht fern gleichkommende Wonne.
Venus du holde mitsamt dem beflügelten Sohne Cupido,
Oh, was empfand ich für Lust! Wie deutlich gefühltes Entzücken
Nahm mich dahin! Wie lag ich gelöst im innersten Marke!

Wie ist Erinnerung süß, wenn kurz auch waren die Freuden
Und zu eilig die Nacht und neidisch auf unser Beginnen!
Stände Verein uns zu mit Wandel des Namens, wie leicht dann,
Dass ich wäre die Schnur, o Kaunos, von deinem Erzeuger,
Dass du Eidam wärst, o Kaunos, von meinem Erzeuger!
Fügten die Götter es nur, dass alles wir außer den Ahnen
Hätten gemein! Oh, wärst du edler als ich von Geschlechte!
Irgend ein Weib wird also von dir, o Schönster, zur Mutter;
Mir, der leider mit dir die selben Eltern geworden,
Wirst nur Bruder du sein. Was hindert, das eine verbleibt uns.
Worauf deutet mir nun das Gesicht? Was haben denn aber
Träume für Wert? Ob wirklichen Wert doch haben die Träume?
Seien die Götter davor! Die freieten freilich die Schwestern.
So nahm Ops zum Weibe der blutsverwandte Saturnus,
Iuno der waltende Herr des Olympos, Okeanos Tethys.
Göttern besteht ihr besonderes Recht. Wie mag ich bemessen
Nach ganz andrem Gesetz im Himmel die menschlichen Bräuche?
Weggehn muss die verbotene Glut aus unserem Herzen,
Oder vermag ich es nicht, so wünscht' ich lieber zu sterben
Und auf der Bahre zu ruhn, dass er dann küsste die Tote.
Und es verlangt doch auch Einwilligung zweier die Sache.
Sei auch mir sie genehm, ihm wird sie Verbrechen erscheinen.
Doch nicht scheuten das Bett der Schwestern des Aiolos Söhne.
Aber warum sind die mir im Sinn? Was soll mir das Beispiel?
Wohin wird' ich geführt? Weicht fern, unzüchtige Flammen!
Nur, wie der Schwester erlaubt, soll fürder der Bruder geliebt sein.
Wär' er jedoch von Liebe zu mir schon selber ergriffen,
Könnt' ich gefällig vielleicht mich seinem Verlangen bequemen.
Soll ich drum, die doch nicht hätte verschmäht den Bewerber,
Werberin sein? Doch kannst du es sagen und ihm es gestehen?
Sehnsucht zwingt; ich kann's; und fesselt die Scham mir die Zunge,
Kann ja ein heimlicher Brief das verstohlene Feuer bekennen."
Dies sagt zu, und der Einfall vertreibt des Herzens Bedenken.
Seitwärts hebt sie sich nun und spricht, auf die Beuge des linken
Armes gestützt: "So sei's! Wir gestehen die rasende Liebe.
Ach, wo komm' ich hin! Welch Feuer entzündet das Herz mir!"
Und sie entwirft mit zitternder Hand das erwogene Schreiben,
Hält in der Rechten den Stift, das geglättete Wachs in der Linken,
Fängt an, zögert und sinnt; sie schreibt und verwirft das Geschriebne,
Zeichnet von neuem und streicht; sie ändert und tadelt und billigt,
Öfter im Wechsel das Blatt weglegend und wieder ergreifend
Weiß sie nicht, was sie will; was immer sie scheint zu erwählen,
Ist nicht recht. Im Gesicht liegt Scham nicht minder wie Kühnheit.
"Schwester" bereits stand da. Sie beschließt den Namen zu tilgen
Und ins gestrichene Wachs zu graben die folgenden Worte:
"Glück, das ihr nicht wird, wenn du ihr nicht es gewährest,
Wünscht dir der Liebenden Gruß. Sie schämt sich, den Namen zu sagen.
Und wenn nach dem Begehr du mich fragst: oh, ließe die Sache
Ohne den Namen sich nur abtun, und es bliebe dir Byblis
Unerkannt, bis erst ihr gesichert der Wünsche Gewährung!
Zwar wohl konnten bereits das verwundete Herz dir verraten
Farbe und schwindender Leib und die Augen in Tränen, die Mienen,
Ohne bemerkbaren Grund oftmals aufsteigende Seufzer
Und die Umarmungen all und die Küsse, daran zu verspüren,
Wenn du vielleicht Acht gabst, dass schwesterlich nicht sie gewesen.
Aber obwohl ich trug im Gemüt die brennende Wunde,
Ob auch innen die Glut wild loderte, alles versucht' ich –
Götter bezeugen es mir - dass endlich mir würde Genesung;
Ach, und ich war zu entfliehn den gewaltsamen Waffen Cupidos
Lange bemüht, und mehr, als deines Erachtens ein Mädchen
Irgend vermag, hielt stark ich aus. Nun muss ich bekennen,
Dass ich erlag, und bei dir Heil suchen mit schüchternem Wunsche.
Du kannst retten allein die Liebende, du sie verderben.
Tue denn, was dir beliebt. Nicht ist es die Bitte der Feindin,
Sondern es fleht die, schon so nah, dir näher zu stehen
Wünscht und mit dir gern wäre verknüpft durch engere Bande.
Mögen das Recht die Greise verstehn und forschen, was statthaft,
Was ein Vergehn, was nicht, und an Satzungen ängstlich sich halten:
Unseren Jahren gemäß ist keck sich nähernde Liebe.
Noch nicht wissen wir ja, was erlaubt ist, und wir erachten
Alles erlaubt und tun nach dem Vorbild mächtiger Götter.

Strenge des Vaters dazu so wenig wie Scheu vor dem Leumund
Hindern uns dann, noch Furcht. Was hätten wir auch zu befürchten?
Unsre verstohlene Lust deckt leicht das Geschwisterverhältnis.
Freiheit steht mir zu, mit dir im geheimen zu reden;
Offen umarmen wir uns vor allen und küssen einander.
Wie viel fehlt da noch? Dich rühre der Liebe Geständnis,
Das nie wäre getan, wenn Not nicht hätte gezwungen.
Zieh dir die Schuld nicht zu, dass dich anklage mein Grabstein!"
Jetzt, da solches umsonst sie geschrieben, versagte das volle
Wachs sich der Hand, und gedrängt an den Rand ist die unterste Zeile.
Gleich nun siegelt sie zu ihr Verbrechen mit drückendem Steine,
Den sie mit Tränen benetzt. An Feuchte gebrach es der Zunge.
Einen der Diener berief sie darauf schamrot, und befangen
Sprach sie zu ihm mit freundlichem Wort: "Dies bringe, Getreuer,
Meinem", lange nachher erst sagte sie "meinem Bruder."
Als sie es gab, fiel nieder, der Hand entglitten, das Schreiben.
Ob sie die Warnung schreckt, doch schickt sie es. Passenden Zeitpunkt
Findet der Diener zu nahn und liefert den heimlichen Brief ab.
Bebend in plötzlichem Zorn wirft hin der maiandrische Jüngling,
Eh' er es noch ganz las, das empfangene Schreiben mit Abscheu.
Kaum abhaltend die Hand vom Gesicht des zitternden Dieners
Ruft er: "Verbotener Lust fluchwürdiger Bote, entfliehe,
Weil du noch kannst! Wenn nur dein Tod nicht unsere Schande
Nach sich zöge, fürwahr, du hättest gebüßt mit dem Leben."
Jener entflieht voll Angst und berichtet der Herrin des Kaunos
Ausbruch. Wie du vernimmst die Weigerung, Byblis, erbleichst du,
Und es erstarrt dein Leib, von eisiger Kälte besessen.
Mit der Besinnung jedoch ist wiedergekommen der Wahnsinn,
Und kaum erregend die Luft schickt folgende Worte die Zunge:
"Ganz nach Verdienst! Warum auch hab' ich verraten die Wunde
Ohne Bedacht; warum, was noch zu verhehlen gewesen,
So voreilig vertraut dem allzu schleunigen Briefe?
Vorher musst' ich mir erst, wie jener gesonnen, erforschen
Mit zweideutigem Wort. Auf dass sie der Fahrenden folgte,
Musst' ich merken zuvor am Stand des Segels, von wannen
Wehte die Luft, und bei sicherem Meer auslaufen. Die Linnen
Hab' ich mit Winden geschwellt, danach ich zu spähen versäumte.
So nun werd' ich an Klippen gejagt, und das wogende Weltmeer
Deckt die Versunkene zu, und zurück kann nimmer mein Segel.
Ja, mich mahnte ja auch ein untrügliches Zeichen, der Liebe
Nicht willfährig zu sein, da, als mir das Wachs bei dem Auftrag
Eben fiel aus der Hand und wankend mir machte die Hoffnung.
Musst' ich nicht von dem Tag, vielleicht von dem ganzen Beginnen,
Doch wohl nur von dem Tag, abstehn? Mich warnte die Gottheit
Selber mit deutlichem Wink, wenn ich nicht von Sinnen gewesen.
Aber ich musst' auch selbst, anstatt mich dem Wachs zu vertrauen,
Reden und Aug' in Aug' ihm entdecken der Sinne Betörung.
Tränen hätt' er gesehn und gesehen der Liebenden Züge;
Mehr dann könnt' ich ihm sagen, als Raum auf dem Blatte gefunden,
Konnte den Hals mit dem Arm trotz seines Erwehrens umfangen,
Wenn er zurück mich stieß, als Beute des Todes erscheinen,
Dringlich umfassen die Knie und liegend mein Leben erflehen.
All das hätt' ich getan, und vermochte zu beugen den harten
Sinn nicht eines allein, so hätt' es vermocht das Gesamte.
Einige Schuld vielleicht auch trägt der gesendete Diener.
Störend erschien er gewiss und ersah nicht, wie ich vermute,
Schickliche Zeit und nahm nicht wahr die Stunde der Muße.
Das nur schadete mir. Kein Tiger ja hat ihn geboren,
Sprödes Gestein auch trägt er ja nicht, noch starrendes Eisen,
Noch auch Stahl in der Brust, noch ist er gesäugt von der Löwin.
Sieg ist gewiss. Neu sei es versucht! Nichts soll mir verleiden
Mein Vorhaben hinfort, so lang ich den Atem behalte.
War es das Erste - wofern ich könnte Geschehenes ändern -
Nicht zu beginnen, so ist das Begonnene enden das Zweite.
Jener vermag ja doch, auch wenn ich entsagte dem Wunsche,
Niemals, was ich gewagt, zu verdrängen aus seinem Gedächtnis.
Schein auch wäre, dieweil ich verzichtete, dass ich im Wollen
Schwach war oder ihn gar versuchte und Schlingen ihm legte;
Mindestens bliebe Verdacht, dass nicht der Gott, der gewaltig
Brannte und brennt in der Brust, mich nötigte, sondern Gelüste.
Kurz, ich vermag nicht mehr rückgängig zu machen die Schande;
Schrift und Gesuch sind da, und befleckt ist unsre Gesinnung.
Tu' ich dazu auch nichts, schuldfrei kann nimmer ich heißen.
Was noch übrig, ist viel für den Wunsch, nicht viel für die Sünde."
Sprach's, und - also besteht im schwankenden Herzen Entzweiung -
Ob sie bereut den Versuch, sie erneute ihn doch, und die Arme
Hält nicht Maß und macht, dass oft sie Verweigerung leidet.
Als kein Ende zu sehn, geht fern von Verbrechen und Heimat
Kaunos und baut auf fremdem Gebiet neu steigende Mauern.
Da nun, kündet die Mär, kam ganz von Sinnen Miletos'
Tochter in Jammer und Leid; da riss sie das Kleid voneinander
Vorn an der Brust und schlug sich die Arme in wilder Verzweiflung.
Offen bekennt sie verstört ihr Trachten nach frevelnder Buhlschaft;
Dann, da Land und Penaten sie hasst, wo nichts ihr zu hoffen,
Macht sie sich auf und verfolgt die Spuren des flüchtigen Bruders.
Wie dreijährliches Fest die ismarischen Bakchen begehen,
Die dein Thyrsos erfüllt mit dem Geist, o Semeles Sprössling,
So ward Byblis gesehn, wie durch die Gefilde sie heulte,
Von den bubasischen Fraun. Als die sie verlassen, durchirrt sie
Karer und Leleger stark im Streit und der Lykier Landschaft.
Limyre ließ sie und Kragos zurück und die Wellen des Xanthos
Und das Gebirge, woselbst Chimaira das Feuer im Innern
Trug mit der Löwin Gesicht und Brust und dem Schweife der Schlange.
Wald zum Suchen gebricht; da sinkst du, Byblis, zu Boden
Von dem Verfolgen erschöpft, und das Haar auf die Erde gebettet
Liegst du gestreckt und drückst das gefallene Laub mit dem Antlitz.
Oft nun suchen empor sie zu richten lelegische Nymphen
Mit unkräftigem Arm, und dass sie beherrsche die Liebe,
Mahnen sie oft und sprechen Trost nur taubem Gemüte.
Stumm liegt Byblis und hält mit den Nägeln den grünenden Rasen
Krampfhaft fest und befeuchtet das Gras mit dem Strome der Zähren
Diesen verliehen darauf zufolge der Mär die Naiaden
Nimmer versiegenden Quell. Was konnten sie Größeres geben?
Sieh, wie tropfendes Harz aus geschnittener Rinde der Föhre
Oder wie klebendes Pech aus der zeugenden Erde hervorquillt,
Wie von der Sonne erweicht beim Nahn sanftwehender Weste
Wieder die Welle zergeht, die starr vom Froste gestanden:
So auch löste sich auf in Tränen die phoibische Byblis,
Bis sie geworden zum Born, der jetzt noch dorten im Tale
Führet den Namen von ihr und sprudelt an dunkeler Eiche.
7. Byblis

Byblis in exemplo est, ut ament concessa puellae,

Byblis Apollinei correpta cupidine fratris;
non soror ut fratrem, nec qua debebat, amabat.
illa quidem primo nullos intellegit ignes,
nec peccare putat, quod saepius oscula iungat,
quod sua fraterno circumdet bracchia collo; mendacique diu pietatis fallitur umbra.
paulatim declinat amor, visuraque fratrem
culta venit, nimiumque cupit formosa videri
et siqua est illic formosior, invidet illi.
sed nondum manifesta sibi est, nullumque sub illo
igne facit votum, verumtamen aestuat intus.
iam dominum appellat, iam nomina sanguinis odit,
Byblida iam mavult, quam se vocet ille sororem.
Spes tamen obscenas animo demittere non est
ausa suo vigilans; placida resoluta quiete
saepe videt quod amat: visa est quoque iungere fratri
corpus et erubuit, quamvis sopita iacebat.
somnus abit; silet illa diu repetitque quietis
ipsa suae speciem dubiaque ita mente profatur:
'me miseram! tacitae quid vult sibi noctis imago?
quam nolim rata sit! cur haec ego somnia vidi?
ille quidem est oculis quamvis formosus iniquis
et placet, et possim, si non sit frater, amare,
et me dignus erat. verum nocet esse sororem.
dummodo tale nihil vigilans committere temptem,
saepe licet simili redeat sub imagine somnus!
testis abest somno, nec abest imitata voluptas.
pro Venus et tenera volucer cum matre Cupido,
gaudia quanta tuli! quam me manifesta libido
contigit! ut iacui totis resoluta medullis!

ut meminisse iuvat! quamvis brevis illa voluptas
noxque fuit praeceps et coeptis invida nostris.
'O ego, si liceat mutato nomine iungi,
quam bene, Caune, tuo poteram nurus esse parenti!
quam bene, Caune, meo poteras gener esse parenti!
omnia, di facerent, essent communia nobis,
praeter avos: tu me vellem generosior esses!
nescioquam facies igitur, pulcherrime, matrem;
at mihi, quae male sum, quos tu, sortita parentes,
nil nisi frater eris. quod obest, id habebimus unum.
quid mihi significant ergo mea visa? quod autem
somnia pondus habent? an habent et somnia pondus?
di melius! di nempe suas habuere sorores.
sic Saturnus Opem iunctam sibi sanguine duxit,
Oceanus Tethyn, Iunonem rector Olympi.
sunt superis sua iura! quid ad caelestia ritus
exigere humanos diversaque foedera tempto?
aut nostro vetitus de corde fugabitur ardor,
aut hoc si nequeo, peream, precor, ante toroque
mortua componar, positaeque det oscula frater.
et tamen arbitrium quaerit res ista duorum!
finge placere mihi: scelus esse videbitur illi.
'At non Aeolidae thalamos timuere sororum!
unde sed hos novi? cur haec exempla paravi?
quo feror? obscenae procul hinc discedite flammae
nec, nisi qua fas est germanae, frater ametur!
si tamen ipse mei captus prior esset amore,
forsitan illius possem indulgere furori.
ergo ego, quae fueram non reiectura petentem,
ipsa petam! poterisne loqui? poterisne fateri?
coget amor, potero! vel, si pudor ora tenebit,
littera celatos arcana fatebitur ignes.'
Hoc placet, haec dubiam vicit sententia mentem.
in latus erigitur cubitoque innixa sinistro
'viderit: insanos' inquit 'fateamur amores!
ei mihi, quo labor? quem mens mea concipit ignem?'
et meditata manu componit verba trementi.
dextra tenet ferrum, vacuam tenet altera ceram.
incipit et dubitat, scribit damnatque tabellas,
et notat et delet, mutat culpatque probatque
inque vicem sumptas ponit positasque resumit.
quid velit ignorat; quicquid factura videtur,
displicet. in vultu est audacia mixta pudori.
scripta 'soror' fuerat; visum est delere sororem
verbaque correctis incidere talia ceris:
'quam, nisi tu dederis, non est habitura salutem,
hanc tibi mittit amans: pudet, a, pudet edere nomen,
et si quid cupiam quaeris, sine nomine vellem
posset agi mea causa meo, nec cognita Byblis
ante forem, quam spes votorum certa fuisset.
'Esse quidem laesi poterat tibi pectoris index
et color et macies et vultus et umida saepe
lumina nec causa suspiria mota patenti
et crebri amplexus, et quae, si forte notasti,
oscula sentiri non esse sororia possent.
ipsa tamen, quamvis animo grave vulnus habebam,
quamvis intus erat furor igneus, omnia feci
(sunt mihi di testes), ut tandem sanior essem,
pugnavique diu violenta Cupidinis arma
effugere infelix, et plus, quam ferre puellam
posse putes, ego dura tuli. superata fateri
cogor, opemque tuam timidis exposcere votis.
tu servare potes, tu perdere solus amantem:
elige, utrum facias. non hoc inimica precatur,
sed quae, cum tibi sit iunctissima, iunctior esse
expetit et vinclo tecum propiore ligari.
iura senes norint, et quid liceatque nefasque
fasque sit, inquirant, legumque examina servent.
conveniens Venus est annis temeraria nostris.
quid liceat, nescimus adhuc, et cuncta licere
credimus, et sequimur magnorum exempla deorum.

nec nos aut durus pater aut reverentia famae
aut timor impediet: tantum sit causa timendi,
dulcia fraterno sub nomina furta tegemus.
est mihi libertas tecum secreta loquendi,
et damus amplexus, et iungimus oscula coram.
quantum est, quod desit? miserere fatentis amorem,
et non fassurae, nisi cogeret ultimus ardor,
neve merere meo subscribi causa sepulchro.'
Talia nequiquam perarantem plena reliquit
cera manum, summusque in margine versus adhaesit.
protinus inpressa signat sua crimina gemma,
quam tinxit lacrimis (linguam defecerat umor):
deque suis unum famulis pudibunda vocavit,
et pavidum blandita 'fer has, fidissime, nostro'
dixit, et adiecit longo post tempore 'fratri.'
cum daret, elapsae manibus cecidere tabellae.
omine turbata est, misit tamen. apta minister
tempora nactus adit traditque latentia verba.
attonitus subita iuvenis Maeandrius ira
proicit acceptas lecta sibi parte tabellas,
vixque manus retinens trepidantis ab ore ministri,
'dum licet, o vetitae scelerate libidinis auctor,
effuge!' ait 'qui, si nostrum tua fata pudorem
non traherent secum, poenas mihi morte dedisses.'
ille fugit pavidus, dominaeque ferocia Cauni
dicta refert. palles audita, Bybli, repulsa,
et pavet obsessum glaciali frigore corpus.
mens tamen ut rediit, pariter rediere furores,
linguaque vix tales icto dedit aere voces:
'et merito! quid enim temeraria vulneris huius
indicium feci? quid, quae celanda fuerunt,
tam cito commisi properatis verba tabellis?
ante erat ambiguis animi sententia dictis
praetemptanda mihi. ne non sequeretur euntem,
parte aliqua veli, qualis foret aura, notare
debueram, tutoque mari decurrere, quae nunc
non exploratis inplevi lintea ventis.
auferor in scopulos igitur, subversaque toto
obruor oceano, neque habent mea vela recursus.
'Quid quod et ominibus certis prohibebar amori
indulgere meo, tum cum mihi ferre iubenti
excidit et fecit spes nostras cera caducas?
nonne vel illa dies fuerat, vel tota voluntas,
sed potius mutanda dies? deus ipse monebat
signaque certa dabat, si non male sana fuissem.
et tamen ipsa loqui, nec me committere cerae
debueram, praesensque meos aperire furores.
vidisset lacrimas, vultum vidisset amantis;
plura loqui poteram, quam quae cepere tabellae.
invito potui circumdare bracchia collo,
et, si reicerer, potui moritura videri
amplectique pedes, adfusaque poscere vitam.
omnia fecissem, quorum si singula duram
flectere non poterant, potuissent omnia, mentem.
forsitan et missi sit quaedam culpa ministri:
non adiit apte, nec legit idonea, credo,
tempora, nec petiit horamque animumque vacantem.
'Haec nocuere mihi. neque enim est de tigride natus
nec rigidas silices solidumve in pectore ferrum
aut adamanta gerit, nec lac bibit ille leaenae.
vincetur! repetendus erit, nec taedia coepti
ulla mei capiam, dum spiritus iste manebit.
nam primum, si facta mihi revocare liceret,
non coepisse fuit: coepta expugnare secundum est.
quippe nec ille potest, ut iam mea vota relinquam,
non tamen ausorum semper memor esse meorum.
et, quia desierim, leviter voluisse videbor,
aut etiam temptasse illum insidiisque petisse,
vel certe non hoc, qui plurimus urget et urit
pectora nostra, deo, sed victa libidine credar;
denique iam nequeo nil commisisse nefandum.
et scripsi et petii: reserata est nostra voluntas;
ut nihil adiciam, non possum innoxia dici.
quod superest, multum est in vota, in crimina parvum.'
dixit, et (incertae tanta est discordia mentis),
cum pigeat temptasse, libet temptare. modumque
exit et infelix committit saepe repelli.
mox ubi finis abest, patriam fugit ille nefasque,
inque peregrina ponit nova moenia terra.
Tum vero maestam tota Miletida mente
defecisse ferunt, tum vero a pectore vestem
diripuit planxitque suos furibunda lacertos;
iamque palam est demens, inconcessaeque fatetur
spem veneris, siquidem patriam invisosque penates
deserit, et profugi sequitur vestigia fratris.
utque tuo motae, proles Semeleia, thyrso
Ismariae celebrant repetita triennia bacchae,
Byblida non aliter latos ululasse per agros
Bubasides videre nurus. quibus illa relictis
Caras et armiferos Lelegas Lyciamque pererrat.
iam Cragon et Limyren Xanthique reliquerat undas,
quoque Chimaera iugo mediis in partibus ignem,
pectus et ora leae, caudam serpentis habebat.
deficiunt silvae, cum tu lassata sequendo
concidis, et dura positis tellure capillis,
Bybli, iaces, frondesque tuo premis ore caducas.
saepe illam nymphae teneris Lelegeides ulnis
tollere conantur, saepe, ut medeatur amori,
praecipiunt, surdaeque adhibent solacia menti.
muta iacet, viridesque suis tenet unguibus herbas
Byblis, et umectat lacrimarum gramina rivo.
naidas his venam, quae numquam arescere posset,
subposuisse ferunt. quid enim dare maius habebant?
protinus, ut secto piceae de cortice guttae,
utve tenax gravida manat tellure bitumen;
utve sub adventu spirantis lene favoni
sole remollescit quae frigore constitit unda;
sic lacrimis consumpta suis Phoebeia Byblis
vertitur in fontem, qui nunc quoque vallibus illis
nomen habet dominae, nigraque sub ilice manat.